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Polip

An Pfingsten war ich Gast auf dem Internationalen Literaturfestival Polip in Pristina. Der kosovarische Dramatiker Jeton Neziraj und der serbische Prosaist Sasa Ilic hatten geladen, zwanzig Autorinnen und Autoren kamen, dazu spielten drei Bands und fanden vier Podiumsdiskussionen statt. Wunderbar kompakte Tage. Danach surrte der Kopf vor all den balkanischen Stimmen und Eindrücken.

 

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DER ROMAN

Auf einer Hamburger Party finden Jakob Schütte und seine Jugendliebe Arjeta Neziri endlich zusammen, da bricht in Arjetas Geburtsland der Krieg aus. Die Schatten aus dem Kosovo sind lang, beklommen sitzt die Familie Neziri vor dem Fernseher. Als sich die Lage auf dem Balkan beruhigt, wird in Arjetas Vater ein alter Traum lebendig: Er will in die Heimat zurück, um im allgemeinen Bauboom ein Hotel zu errichten. Seine Tochter muss mit nach Prishtina. Jakob Schütte lässt sich davon nicht beeindrucken – er fliegt Arjeta hinterher.

Jahre später, die beiden sind längst kein Paar mehr: Jakob lebt in Berlin, Arjeta ist im Kosovo geblieben. Er produziert Computerspiele und will ausgerechnet aus dem blutigen Kosovokrieg Kapital schlagen. Sie kämpft als politische Künstlerin für eine bessere Zukunft ihres Landes. Ihr gemeinsamer Sohn aber findet nirgendwo Halt – und macht sich selbst auf die Reise.

Y erzählt von der Mitte und vom Rand Europas. Und davon, dass jeder Riss zuallererst durch unsere Herzen geht. „Ich versuchte ständig, mit der Fremde warm zu werden. So wie ich nicht anders konnte, als mit der Wärme zu fremdeln.“

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KOSOVO

Exklusiv auf dieser Webseite werden in regelmäßiger Folge Texte hinzugefügt, die während der Reisen durch den Kosovo und in der nachträglichen Rückschau entstanden sind. Sie sind als Recherchetexte das Ausgangsmaterial für den Roman, stehen aber völlig unabhängig davon für sich.

 

 

 

BAJRAM CURRI – Ein windiger Ort

Wie viel Geld in den letzten Jahren in Infrastruktur und Straßenbau geflossen ist, sagt meine Fahrerin, das sei vielleicht auch ein Ausgangspunkt. Sie haben die Oberfläche geglättet, übersetze ich, auf Kosten der Tiefe. Am Straßenrand aber wird es abschüssig, dort liegen Blumen und Grabplatten, nicht für Verkehrstote, sondern für die Helden der UCK…

 

 

 

ILAZ CEKA – Ein Waffengänger

Das Dorf Dragomacë liegt am östlichen Rand des Sharr-Gebirges, nur wenige Kilometer von der mazedonischen Grenze entfernt. Hier treffen Jeton und ich auf Ilaz Ceka, der einem Nachbarn beim Hausbau hilft. Jeton übersetzt ins Englische, Ilaz spricht nur gegisches Albanisch. Seine Hände mit den langgliedrigen Fingern fallen mir auf, die Adern zeichnen sich auf dem Handrücken ab, auch auf den Unterarmen. Die Fingernägel grau von der Arbeit, ein kleines Plis auf dem Hinterkopf, die traditionelle weiße Filzkappe. Im Kosovokrieg wurde er Qorr Ilazi gerufen, und ich übersetze es mir jetzt mit knorrig, kantig, zäh. An einem anderen Ort würde ich ihn vielleicht einfach einen agilen, sportlichen Mann nennen. Er ist 51 Jahre alt. Noch im Oktober 2014 wird er seinem Krebsleiden erliegen.

 

 

 

MARJETICA POTRČ – Eine Künstlerin

Das Prishtina House ist 2007 fertig geworden. Es ist aus grellgelben Bauklötzen gefertigt, doch sind seine Dachsparren mit Aufsätzen verziert, als hätten wir ein Fachwerkhaus aus dem Spätmittelalter vor uns. Die Sperrholz-Spitzbögen der Fenster und des Eingangstors wirken orientalisch, die Säulen im Geländer stehen so eng, dass der griechische Ursprung verloren gegangen ist. Aus dem Dach ragt ein Schornstein aus billigem Weißblech und daneben eine einzelne Solarplatte, die Licht sammelt für eine Straßenlaterne, die aber aufs private Grundstück versetzt wurde.

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LUM LUMI – Ein teurer Sohn

Lum Lumi ist ein Gedichtzyklus des albanischen Dichters Ali Podrimja aus dem Jahr 1981, in welchem er sich mit der unheilbaren Krankheit und dem Tod seines Sohnes Lum auseinandersetzt. Die Gedichte sind im albanischen Kulturraum sehr bekannt.


 

 

 

REXHEP LUCI – Ein Stadtplaner

Im Oktober 2010 war ich zum ersten Mal im Kosovo, eingeladen zu einem internationalen Literaturfestival in Prishtina. Gleich am ersten Tag regnete es durchgängig in Strömen, und als wir am Abend aus dem Hotel auf die Straße traten, schien der Regen ein Jahrhunderthochwasser geschaffen zu haben. Das war insofern komisch, als dass durch Prishtina gar kein Fluss mehr fließt, seit die Sozialisten die Pristevka in den Siebzigern zubetoniert haben.


 

 

TRENNER-KOSOVO
 

DER AUTOR

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Jan Böttcher, 1973 in Lüneburg geboren, seit 1993 in Berlin. Zunächst unterwegs als Texter, Sänger, Gitarrist der Band Herr Nilsson, auf vier Alben zu hören. 2003 erste Buchpublikation bei kookbooks, die Erzählung „Lina oder: Das kalte Moor“. Seitdem neben einem Soloalbum („Vom anderen Ende des Flures“, 2008) vier Romane veröffentlicht. Für „Nachglühen“ 2007 den Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewonnen, der Roman „Das Lied vom Tun und Lassen“ 2011 an der Spitze der SWR-Bestenliste. 2014: Übersetzungen der Songs von Ian Curtis, dem früh verstorbenen Texter der Band Joy Division („So this is Permanence“). Für den Roman „Y“ als Grenzgänger-Stipendiat von der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt.

TRENNER-AUTOR
 

TERMINE

Y Lesung

14.06.2016 im Brecht-Haus, Berlin

 

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Lesungen, Lesekonzerte

Astrid Schmidt, Aufbau Verlag
Tel. 030 - 283 94 - 288
veranstaltungen@aufbau-verlag.de

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Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 030 - 283 94 - 231
ohlenforst@aufbau-verlag.de

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IMPRESSUM

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Aufbau Verlag
Prinzenstraße 85
10969 Berlin

Inhaltlich verantwortlich, Texte und Fotos Kosovo:
Jan Böttcher

Porträt des Autors:
Timm Kölln

Umsetzung:
brandsatz GmbH

Der Autor dankt Marjetica Potrč für die Genehmigung
der Abbildung ihres Werkes ‚Prishtina House‘.

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